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Mikroabenteuer

Warum ich Mikroabenteuer im Alltag liebe

Abenteuer – das riecht für mich nach weiter Welt, nach Freiheit, nach exotischen Plätzen und nach ausgefeilter Planung. Es schwingt aber auch die Vielfalt mit – so wie unzählige kleine und große Wassertropfen auf einer Wiese in der Morgensonne glänzen.

Mikro hingegen hört sich klein und überschaubar an, gleichzeitig machbar und irgendwie: nah. Warum ich mich für Mikroabenteuer im Alltag entschieden habe und du es auch tun solltest, kannst du in diesem Blogbeitrag lesen.

Was sind Mikroabenteuer im Alltag?

Als ich den Begriff Mikroabenteuer zum ersten Mal im Buch „Mikroabenteuer: Raus und machen!“ von Christo Foerster las, war ich fasziniert von der Idee der kleinen Abenteuer. Denn immer auf den Urlaub zu warten, um große Wandertouren zu laufen, mit dem Fahrrad unterwegs zu sein oder Neues zu entdecken – das konnte es für mich nicht sein. Das war mir einfach zu wenig! Lustigerweise las ich das Buch in der Urlaubszeit und wollte dieses herrliche Gefühl von Freiheit so lange wie möglich mitnehmen. Geht es dir auch so?

Bei Mikroabenteuern bricht man zu kleinen Abenteuern vor der Haustür auf: mit einfachen Mitteln, ohne viel Aufwand und Planung.

Christo Foerster, aus seinem Buch „Mikroabenteuer: Raus und machen!

Bei Mikroabenteuern im Alltag geht es für mich um die Ereignisse und Aktivitäten, die:

  • vor der eigenen Haustür machbar sind
  • zeitlich im vollen Alltag untergebracht werden können
  • keine Materialschlacht bedeuten
  • und idealerweise auch mit Familie und Hund zu machen sind

Es geht um nichts anderes, als um unsere Abenteuerlust in den Alltag zu integrieren und das Freiheitsgefühl, in das Tagesgeschehen zu übertragen.

Also: Tür auf und raus. Und was heißt das bei uns konkret? Rein in die Kulturlandschaft der Weinberge. Landwirtschaft pur. Gut befestigte, meist geteerte und breite Wege, die sich durch die Landschaft bis zum Pfälzer Wald ziehen. Im ersten Moment war das langweilig und stellte immer wieder eine Herausforderung dar. Einfach bloß herumlaufen – das fühlte sich so was von öde an, aber um ausgetretene Pfade zu verlassen, fehlte uns anfangs der Mut. Auch war der Blick gar nicht offen für die Vielfalt, die uns zu Hause umgab.

Wie vielfältig können Mikroabenteuer im Alltag sein?

Die Vielfalt zu erkennen – das war der erste Schritt. Was gibt es wohl Großartiges zu entdecken, in der Umgebung, in der wir täglich sind? Wie bewusst ist uns die Natur vor der Haustür? Wo gibt es die schönsten Plätze? Und: Ist es überhaupt möglich, das Freiheitsgefühl aus dem Urlaub regelmäßig in den Alltag zu übertragen?

Mit Geocaching fing es schließlich an. Wir entdeckten dabei Orte, die wir vorher nicht aufgesucht hätten. Obendrein war die Überraschung groß, dass der nächste Geocache nur wenige hundert Meter von der Haustür entfernt ist und wir so oft an diesem vorbeiliefen, ohne zu wissen, dass er da ist.

Wir verliebten uns in das Spiel und setzten sogar eigene Trackables aus. Das sind kleine Gegenstände mit einem Code, die von Cache zu Cache reisen. Wir staunten nicht schlecht, dass manche eine halbe Weltreise zurücklegten und sogar einer nach Jahren wieder in die Pfalz zurückkam.

Mit den neuen Orten, die darüber ins Blickfeld gelangten, veränderte sich unsere Perspektive und die eigene Spielfreude nahm deutlich zu. Auf Fotosafari durch den Nachbarort ziehen? Ein Memory aus diesen Motiven basteln? Das Dorf oder den Stadtteil erkunden und dabei einen Spielplatz nach dem anderen gezielt ansteuern und daraus einen Test machen? Das kannst du auch!

Protokoll Spielplatz-Experiment

Ja, ich will das Protokoll für das Experiment haben!

Selbst die Natur ließ sich vor der Haustür entdecken. Natürlich nicht in spektakulären Wasserfällen, hohen Bergen, Gletschern, Meeresbrandung und ähnlichen Schauspielen, denn das befindet sich nicht vor unserer Tür.

Aber auch hier war „Mikro“ angesagt und wir zogen los, um die heimische Wildnis zu erkunden. Vögel, Insekten, Blumen, Bäume – Welten können sich eröffnen, wenn wir darauf den Blick lenken.

Bänderschnecken im Garten
Weißmündige Garten-Bänderschnecken

Hast du zum Beispiel einmal Ausschau nach Schnirkelschnecken gehalten? Zu dieser Familie zählen nicht nur die Weinbergschnecken, sondern auch die Bänderschnecken. Das sind die mit den braunen Streifen auf den gelben Häuschen. Je nach Farbe ihrer Mündung gibt es die Hain- oder die Garten-Bänderschnecke. In diesem Blogartikel vom Schlaubatz gibt es sogar eine tolle Eselsbrücke, wie man sich die beiden Schnecken gut merken kann.

Wenn ich es genau betrachte, dann ist die Vielfalt direkt vor der Haustür unglaublich groß. Und zwar so groß, dass es leicht passieren kann, die beste Kleinigkeit zu verpassen.

Damit wir möglichst viel von der Vielfalt draußen in der Natur genießen konnten, war es für uns wichtig, dass wir uns nicht in langen Vorbereitungen verstrickten. Wir wollten raus!

Wie sind die kleinen Abenteuer leicht durchführbar?

Für leichte Durchführbarkeit sorgen – das war der zweite Schritt. Damit wir zügig loskönnen, steht der Rucksack vorbereitet im Schrank. Es fehlt lediglich Proviant für unterwegs. Unsere leicht windabweisenden Regenjacken sind dabei, genauso wie ein kleines saugfähiges Handtuch, um im Sommer die Füße in einen Bachlauf eintauchen zu können. Ein kleines Erste-Hilfe-Set, Sonnenschutz sowie Sitz-Unterlagen sind ebenfalls unsere Begleiter und dauerhaft im Rucksack verstaut.

Die Auswahl von Zielen und Routen hängen bei unseren kleinen Mikroabenteuern von dem Ort ab, an dem wir gerade sind. Lange Anfahrtswege versuchen wir zu vermeiden. Nah muss es also sein.

Starten wir direkt vor unserer Haustür, müssen wir die erste Strecke bis zum Wald überwinden. Je nach Wanderlaune kann das zu einer echten Herausforderung werden, denn geteerte und befestigte Wege fördern nicht die Lauffreude bei Kindern.

Doch selbst die beste und leichteste Vorbereitung schützt nicht davor, dass sich – wie aus dem Nichts – ein Motivationsloch aufmacht. Manchmal können diese auch so dicht hintereinander sein, dass der Weg so löchrig wie ein Schweizer Käse scheint.

Gestopft haben wir diese Löcher bisher mit kleinen Geschichten rund um ein Nilpferd und einen Elefanten. Den Einfall dazu hatten wir in Norwegen, als wir einen steilen Pfad an einer Pipeline entlang wanderten. Das Motivationsloch machte sich vor uns auf. Ich fragte: „Ob es wohl für ein Nilpferd schwierig sei, diese Pipeline herunterzurutschen?“ Das Gekicher hinter mir zeigte, dass die Idee ankam.

Pipeline Wasserkraft Norwegen
Die Geburtsstunde unserer Nili und Elefant-Geschichten, immer geradeaus, an der Pipeline entlang – Tour der 4 Wasserfälle in Kinsarvik (Norwegen)

Das graue Nilpferd bekam noch eine rosa Badehose an und somit waren die Geschichten rund um Nili und Elefant geboren.

Anknüpfungspunkte finden wir immer wieder, um darüber zu philosophieren, warum die beiden ausgerechnet zu diesem Ziel möchten und welche Probleme und Herausforderungen sie auf dem Weg lösen müssen und ich sage dir, die sind echt groß: Da lauern Monster, Schlingpflanzen und die rutschigsten Steine, die es auf der Welt gibt. Gegen die Probleme, die Nili und Elefant haben, sind unsere – nämlich einen geteerten Weg zu überwinden – fast Pillepalle.

Geschichten, kleine Spiele und Lieder singen, helfen bei uns meist über diese Motivationslücken hinweg und wir vertrauen der Natur, dass diese interessant genug ist, um erobert zu werden.

Das wichtigste ist aber der Proviant, denn die eben noch gute Stimmung schlägt bei hungrigen und durstigen Kindern blitzschnell um. Bei Erwachsenen im Übrigen auch. An dieser Stelle habe ich bereits von unserem Notfallproviant berichtet. Selbst wenn wir eine Einkehr in einer der Hütten im Pfälzerwald geplant haben, nehmen wir immer etwas mit. Belegte Brote und Rohkost – meist Äpfel und Karotten – sind das Minimum. Ergänzt wird das mit Nahrungsmitteln, die gerade da sind und sich gut transportieren lassen.

Mikroabenteuer im Alltag sind also sehr leicht durchführbar, wenn ein paar kleine Vorbereitungen getroffen sind:

  • Rucksack ist für einen schnellen Start vorbereitet
  • Proviant ist zügig eingepackt
  • Ziele und Touren liegen vor der Haustür, damit eine zeitraubende Planung und lange Anfahrtswege entfallen
  • Geschichten, Spielideen und Lieder sind im Kopf oder lassen sich schnell nachschlagen, um diese ratzfatz parat zu haben

Wenn Mikroabenteuer im Alltag zu Hause machbar sind und die Vielfalt unglaublich ist, dann stellte sich mir die Frage, ob es eigentlich einen Unterschied zwischen kleinen und großen Mikroabenteuern gibt?

Was sind kleine und große Mikroabenteuer für den Alltag?

Zwischen kleinen und großen Mikroabenteuern abwechseln – das war der dritte Schritt. Für uns gibt es zwei wesentliche Faktoren, die ein Abenteuer beeinflussen. Das ist die Dauer und die Schwierigkeit.

Dauer

Ist es möglich, jedes Wochenende komplett draußen zu verbringen? Inklusive Tourenplanung, Buchungen, Einkaufen, Packen und so weiter, um sämtliche Mahlzeiten draußen zu kochen und auch im Wald zu übernachten? Nein, das ist es leider für uns nicht!

Denn es gibt es noch die unzähligen anderen Dinge in unserem Alltag, die auch Platz haben und haben möchten: Haushalt erledigen, Kindergeburtstage feiern, im Garten werkeln, Freunde treffen, Einkäufe machen – da kommt einiges zusammen. Deshalb zählt ein „Komplett-Draußen-Wochenende“ für mich definitiv zu den großen Abenteuern. Sie unterscheiden sich immer noch von einer Urlaubsreise, da sie nah sind und weit weniger Planungsaufwand erzeugen, aber sind trotzdem Highlights.

Wie können wir also Abenteuerfeeling in kleine überschaubare Schritte packen, die die Zeit in der Natur verlängern, aber die Gesamtdauer im Rahmen bleibt?

Hier sind 3 Ideen für diese Mini-Mikroabenteuer:

  • Eine einfache Mahlzeit draußen zu kochen und damit den Familienspaziergang zu verlängern, ist eine vielversprechende Möglichkeit für einen überschaubaren Schritt. Für einen leckeren Couscous-Salat reicht heißes Wasser in der Thermoskanne aus. Platzsparend wird es, wenn die Zutaten in verschließbaren Dosen mitgenommen werden, die sich sowohl für die Zubereitung und als auch für das Essen eignen.
  • Eine Nacht im Garten zu übernachten und somit die Ausrüstung wie Schlafsack, Isomatte und Zelt nicht einpacken und weit tragen zu müssen, kann ebenfalls ein Mini-Abenteuer sein.
  • Auf dem Balkon oder der Terrasse zu schlafen und nur für eine warme Decke und Liege sorgen zu müssen, sorgt für noch mehr Leichtigkeit.

Schwierigkeit

Jedes Abenteuer bringt eigene Herausforderungen mit sich. Das Beste ist, diese Herausforderungen möglichst gelassen hinzunehmen und die Schwierigkeit von einem Vorhaben möglichst gut im Vorfeld einzuschätzen.

Ein Familienspaziergang durch den örtlichen Stadtwald ist etwas anderes als eine 30 km Fahrradtour mit Gepäck und Übernachtung an einem anderen Ort. Je nach Vorhaben braucht es eine andere Planungstiefe und es können sich unterschiedliche Herausforderungen ergeben.

Mit der Erfahrung wuchs unser Mut und die Abenteuer-Touren wurden größer. Trotzdem wollen und können wir nicht für jedes Wochenende diese Planungstiefe leisten, die aus meiner Sicht nötig ist, wenn wir mit Kindern unterwegs sind.

Die großen Mikroabenteuer sind für uns diejenigen, die uns etwas weiter wegführen, die uns an einem anderen Ort übernachten lassen und eine größere Wegstrecke überwunden werden muss. Denn gerade für diese größeren Abenteuer ist es gut, einen Plan B in der Tasche zu haben.

Hier sind 3 potentielle Herausforderungen bei größeren Mikroabenteuern und Ideen, wie du sie lösen kannst:

  • Bist du auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen, dann reize das Zeitfenster nicht komplett aus und setze nicht auf den letzten Bus. Besser ist es, abzukürzen oder eine Aktion ausfallen zu lassen, als unter Zeitdruck zu geraten. Wichtig ist, deinem Kind oder deinen Kindern zu erklären, warum es zu Änderungen im Ablauf kommt und vielleicht eine geplante Aktion ausfallen muss. Es sollte nach Möglichkeit nicht der geplante Spielplatz-Besuch zum Abschluss sein.
  • Übertriebener Ehrgeiz ist auf Touren mit Kindern eher nicht angebracht. Im Hinblick auf Notlagen planen wir unsere Touren so, dass wir maximal innerhalb eines Tages die Zivilisation erreichen können. Wir schauen also bereits bei der Planung nach mehreren Einkehrmöglichkeiten (falls eine überraschend geschlossen hat), haben ein Erste Hilfe-Set und ein paar Notfallmedikamente dabei, informieren uns aber auch, wo eine Apotheke, die nächste Bahnstation und Ähnliches wäre.
  • Plötzliche Wetterwechsel können herausfordernd sein und 3 Tage hintereinander bei Regen im Wald zu laufen und zu zelten, macht keinem Abenteuer-Kind Spaß. Daher schauen wir bereits bei der Planung, ob Gasthöfe, Jugendherbergen oder andere Hütten in potenzieller Reichweite wären und wie wir bei einer Planänderung auch wieder nach Hause kommen, denn nicht überall gibt es auf dem Land ein Taxi.

Gerade weil wir diese Planungstiefe nicht immer leisten können und wollen, wechseln wir zwischen kleinen und großen Mikroabenteuern ab und das solltest du auch tun, damit die Mikroabenteuer im Alltag spannend bleiben.

Fazit: Warum ich Mikroabenteuer im Alltag liebe

Mikroabenteuer brauchen keine exotischen Plätze. Die Natur vor der Haustür reicht völlig aus. Die Zeit draußen vor der Tür kann in kleinen, überschaubaren Schritten verlängert werden. Mit dieser Erfahrung steigt der Mut für größer werdende Touren. Gerade auch diese Touren sind ausreichend sicher, wenn mögliche Herausforderungen im Vorfeld betrachtet und Lösungsmöglichkeiten überlegt werden. Die kleinen Abenteuer lassen sich gut in den Alltag integrieren und brauchen kaum Planungszeit. Aus diesen Gründen liebe ich sie und das solltest du auch tun. Was wird dein nächstes Mikroabenteuer sein?

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4 Comments

  • Claudia Scholz
    Juni 1, 2021 at 09:46

    Ich habe es gern gelesen, liebe Stefanie! Wenn wir mitunter durch „unseren“ Wald in Berlin streifen, gucke ich schon ganz anders, sagt mein Mann. Und seit neuestem fotografiere ich sogar, um zu zeigen, was wir unterwegs gesehen haben. Auf diese Weise gehen wir unserem eigenen kleinen Abenteuer nach. Schon der Begriff ist vielversprechend. Herzliche Grüße, Claudia

    Reply
    • Stefanie
      Juni 2, 2021 at 14:22

      Liebe Claudia,
      dann bin ich gespannt, was ihr in und um Berlin noch alles entdecken werdet.
      Natur gibts auch mitten in der Stadt.
      Viele Grüße
      Stefanie

      Reply
  • Ingrid Holscher
    Juni 7, 2021 at 13:41

    Liebe Stefanie,
    auch wenn wir mitten in der Stadt wohnen und mindestens 30 Minuten mit dem Auto oder den Öffis brauchen, um annähernd in der Natur zu sein, so habe ich festgestellt, dass wir solche Mikro-Abenteuer hier durchaus auch machen. Gerade im Frühling macht es Spaß die Natur zu beobachten. Wo grünt es schon? Hast du die dicke Hummel gesehen? Auch im angelegten Park lassen sich kleine Abenteuer erleben. Notfalls auch ohne Picknickdecke, sondern einfach auf der Jacke sitzend.
    Liebe Grüße
    Ingrid

    Reply
    • Stefanie
      Juni 7, 2021 at 23:30

      Liebe Ingrid,
      genau – es geht darum, die Natur zu entdecken, und zwar vor der Haustür.
      Direkt bei uns vor der Tür müssen wir auch klein denken, denn es ist einfach urbanisiert. Die Nachbarn gegenüber haben Ziegen und das hat dann doch etwas von nettem Dorf-Charakter.
      Wir haben auch das Glück, sehr nah am Pfälzerwald zu wohnen, der auch noch Trekkingplätze hat. Der Aufwand für eine Übernachtung im Wald ist damit für uns minimiert. Gestartet sind wir aber auch auf Balkon, Terrasse und Garten.
      Aktionstage wie die Stunde der Gartenvögel oder der Insektensommer sorgten dann dafür, dass ich das Interesse daran wecken konnte und dann ist es zum Glück bei uns bisher ein Selbstläufer.
      Liebe Grüße Stefanie

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