„Was ist Künstliche Intelligenz?“ von Angelika Zahn und Lena Hesse landet genau dann auf dem Tisch, wenn die Fragen der Kinder größer werden als es die Antworten der Eltern sind. Sprachassistent, Netflix, Staubsaugerroboter und so viele Dinge mehr: KI ist für die meisten von uns längst Alltag. Aber wie erklärt man Kindern, was wirklich dahintersteckt?
Dieses Kindersachbuch aus dem Beltz & Gelberg Verlag gibt darauf eine Antwort. 90 Seiten, gebunden, bunt illustriert. Offiziell ab 8 Jahren – was das Buch zu bieten hat und für wen es wirklich taugt, schauen wir uns jetzt an.
Was steckt im Kindersachbuch „Was ist Künstliche Intelligenz?“?
Das Buch steigt dort ein, wo KI für die meisten längst im Alltag präsent ist, ohne dass man groß darüber nachgedacht hat: Sprachassistenten, Navi, Netflix-Empfehlungen, die automatische Wortergänzung auf dem Handy. Das bekommen auch schon Kinder mit. KI ist also nicht erst seit ChatGPT da und das macht das Buch von Anfang an klar.
Dann geht es Stück für Stück tiefer, was KI eigentlich ist und wie sie lernt. KI steckt schließlich überall dort drin, wo ein Computerprogramm selbstständig dazulernt. Nicht weil das Programm selbst denkt, sondern weil es zum Beispiel Muster erkennt und darüber lernt. Das Buch erklärt diese Mustererkennung über ein schönes Beispiel: Wie lernt eine KI, eine Katze von einem Hund zu unterscheiden? Was sind die wichtigsten Merkmale für diesen Unterschied? Sind es die Schnurrhaare? Ein buschiger Schwanz? Die spitzen Ohren? Oder müssen einige Merkmale zusammenkommen, damit eine Katze zweifelsfrei von einem Hund unterschieden werden kann?

Die Mustererkennung ist umso besser, je mehr Trainingsdaten eine KI zur Verfügung hat. Das Bild zu neuronalen Netzen macht das im Buch sehr anschaulich.
Wichtig, und das macht das Buch von Anfang an deutlich: KI erarbeitet sich keine komplett neuen Fähigkeiten oder Ideen von allein. Sie ist von Menschen programmiert und mit Daten gefüttert. Das klingt simpel, ist aber eine der wichtigsten Aussagen, die ich für Kinder mitnehme. Das bedeutet nämlich auch, dass eine KI, so menschenähnlich sie auch sein und klingen mag, eben künstlich ist.
Was Kinder aus dem Buch mitnehmen und was mich überrascht hat
Was mich am meisten überrascht hat, war, wie viel in dem Buch drinsteckt. Das Thema künstliche Intelligenz wird aus vielen Perspektiven betrachtet. Egal, ob es um die technische Zeitreise geht, den Stromverbrauch und CO2-Impact oder auch um den Datenschutz.
Das Buch spricht zum Beispiel den Datenschutz konkret an. Welche Daten werden von uns gesammelt und was kommt in Zukunft vielleicht noch? Was fällt überhaupt unter „Daten“ (Augenfarbe, Standort, Beziehungsstatus, Zeugnisse und vieles mehr) und wie wird mit Datenfehlern umgegangen?

Das Buch erklärt anschaulich, was passiert, wenn Algorithmen übernehmen und etwa die Bewerberauswahl steuern. Das sind Fakten, die auch vielen Erwachsenen oft noch nicht bewusst sind. Schließlich wird sich kaum jemand damit beschäftigen, wie die KI der Personalabteilung von einem zukünftigen Arbeitgeber trainiert wurde. Dass bestimmte Personengruppen ausgeschlossen werden, weil die Trainingsdaten bereits verzerrt waren, muss man sich erst bewusst machen. Siehe dazu auch folgende Erklärung zum Umgang mit diesen sogenannten Bias vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik: Bias in der künstlichen Intelligenz. Ein richtiges Erwachsenen-Thema, welches kindgerecht aufbereitet wurde.
Die Autorin schreibt klar, wo KI an Grenzen stößt. Sie schreibt nicht, dass KI böse ist. Sie schreibt auch nicht, dass KI alles kann.
Wer noch tiefer einsteigen will: Das Programm KI4Kids von ScienceLab bringt Kindern der 4. und 5. Klasse KI spielerisch und kritisch näher: ScienceLab-KI4Kids.
Für wen lohnt sich das Buch und ab welchem Alter?
Offiziell steht „ab 8 Jahren“ als Leseempfehlung drauf. Ich würde sagen: als Selbstlesebuch eher ab 10 Jahren. Die Themen sind verständlich aufbereitet, aber einige Zusammenhänge – gerade rund um Datenschutz und Bias – brauchen aus meiner Sicht noch etwas mehr Lebensrealität, die Achtjährige nicht unbedingt haben.
Als Eltern-Kind-Buch ab 8 funktioniert es sehr gut. Die Illustrationen sind ein guter Einstieg für Gespräche, die man dann gemeinsam weiterführen kann.
Und für Erwachsene, die selbst nicht so tief im Thema stecken, ist dieses Buch ebenfalls eine gute Einstiegslektüre!
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Mein Fazit: Für neugierige Familien
Selten hat mich ein Kinderbuch so klar daran erinnert, dass KI kein Erwachsenenthema ist, sondern eines, das Kinder jetzt schon angeht.
Der letzte Satz des Buches macht aus meiner Sicht Mut, zeigt aber auch, was es noch braucht:
„Künstliche Intelligenz kann also viel Gutes für die Menschheit bringen – vorausgesetzt, sie wird klug und verantwortungsvoll eingesetzt. Dafür braucht es Regeln und Menschen, die Lust haben, die Zukunft dieser Technologie mitzugestalten.“ (Angelika Zahn, aus: „Was ist künstliche Intelligenz.“)
Das Buch bekommt von mir eine klare Kaufempfehlung, vor allem für Familien, die KI nicht nur passiv nutzen wollen, sondern verstehen möchten, womit ihre Kinder aufwachsen.
Das Buch gibt es bei Beltz & Gelberg, im örtlichen Buchhandel und selbstverständlich auch online bei Amazon.*
Hast du schon Bücher über KI mit deinen Kindern gelesen? Oder Fragen, die dein Kind zum Thema stellt, auf die du keine Antwort hattest? Schreib mir gerne in die Kommentare.
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