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Interview

Von Ameise bis Zaunkönig: Interview mit Madeleine Gersbach

Madeleine Gersbach ist nicht nur Rangerin in der Schweiz, sondern vermittelt auch viel Naturwissen in Online-Kursen. Theorie und Praxis gehen bei ihr Hand in Hand. Kennengelernt haben wir uns über Social Media und so startete ein regelmäßiger Austausch übers Teilzeit-Business, das Rausgehen mit Kindern, den Schwerpunkten und einfach noch so viel mehr.

Möchtest du auch wissen, wie man eigentlich Rangerin wird? Dann findest du hier mein Interview mit 9 Fragen an Madeleine.

Wie wird man eigentlich Rangerin?

In Deutschland gibt es zwei verschiedene Wege, um sich zum Ranger ausbilden zu lassen. Entweder man absolviert die Ausbildung zum geprüften Natur- und Landschaftspfleger oder den Bachlor-Studiengang „Landschaftsnutzung und Naturschutz“.

Danach besitzt man alle nötigen Qualifikationen, um in einem Schutzgebiet zu arbeiten.

Du zeigst Menschen die Natur vor ihrer Haustür und bietest auch Online-Kurse an. Was ist am Online-Format anders?

Ich mag die Online-Formate besonders für die Vermittlung von Theorie. Man spart sich dadurch lange Anfahrtswege, was ja auch der Umwelt wieder gut tut. Ich gebe den Kursteilnehmer:innen auch gerne Inspiration für ihre eigenen Waldbesuche mit auf den Weg.

Natürlich haben Online-Kurse auch ihre Grenzen. Ich kann die Teilnehmenden zwar ermutigen, rauszugehen und die Natur zu entdecken, doch ich kann ihnen nicht direkt vor Ort zeigen, was ich gerade meine. Wer etwa Vogelstimmen lernen möchte, tut das am besten draußen mit einem Experten.

Dein Steckenpferd sind die Vögel. Warum faszinieren dich ganz besonders die Eulen?

Vögel sind wunderbar, um überhaupt mit Tierbeobachtungen zu beginnen. Vögel gibt es nicht nur im Wald, sondern auch zwischen den Wohnhäusern, in Gärten und in Stadtparks. Sie können außerdem zu (fast) jeder Tageszeit beobachtet werden. Sie sind aktiv und in ihrem Verhalten sehr verschieden. Weswegen es mitunter auch viel Spaß machen kann, Tag für Tag immer die gleiche Elster im Garten zu beobachten.

Eulen finde ich besonders faszinierend, weil sie ihre ganz eigene Jagdstrategie entwickelt haben, um lautlos in der Nacht zu jagen. Nachts im Wald einen Waldkauz zu sehen, ist ein magischer Moment. Auch wenn es oft nur 2 Sekunden dauert. Denn dann ist die Eule auch schon lautlos davongeflogen.

[Anmerkung: Vögel bestimmen – das lässt sich auch mit Apps lernen. Madeleine verschiedene Apps ausprobiert und sie miteinander verglichen. In ihrem Blog kannst du über die 3 besten Apps zur Vogelbestimmung lesen.]

Vögel im Winter füttern oder nicht. Was meinst du dazu?

Wenn ich die Umweltschutz-Brille aufhabe, dann ist das Füttern von Wildtieren im Winter nicht nur unnötig, sondern wird meistens auch falsch gemacht. Die Natur hat an alles gedacht, sie funktioniert auch ohne uns Menschen. Vogelarten, die im Winter zu wenig Nahrung finden, fliegen in den Süden oder weichen auf andere Nahrung aus.

Wenn ich die Pädagogik-Brille aufhabe, dann ist ein solches Futterbrett natürlich etwas Feines. Denn an keinem anderen Ort lassen sich viele verschiedene Vogelarten auf kleinstem Raum beobachten. Wer Vögel füttern will, der sollte sich bewusst sein, dass das eigentliche Problem durch die typische Winterfütterung nicht gelöst wird. Die Nahrungsknappheit betrifft in erster Linie die Insektenfresser. Ein reiner Insektenfresser ist mit seinem Schnabel gar nicht in der Lage, Sonnenblumenkerne zu knacken.

Deswegen plädiere ich für naturnahe Zonen im Garten oder auf dem Balkon. Durch das Pflanzen von ökologisch wertvollen Sträuchern oder das Aussäen von Wiesenblumen werden die Insekten gefördert, was später wieder den Vögeln zugute kommt.

Und wer im Garten nicht immer alles zurückschneidet, lässt automatisch auch Vogelfutter für die Samenfresser stehen.

Was war die bisher spannendste Weiterbildung für dich?

Spannend waren alle. 😉 Aber ein wirklich besonderes Erlebnis war die zweimonatige Ausbildung zum Safari-Guide in Südafrika. Diese Abgeschiedenheit und mitten in der Wildnis zu sein, war einfach unglaublich.

Hast du eigentlich eine Lieblings-Jahreszeit, um draußen zu sein?

Ich bin ein Sommermensch. Im Sommer findet unser Familienleben fast ausschliesslich draussen statt. Barfuss im Wald, Würste grillen, bis um Mitternacht im T-Shirt draussen sitzen, im Zelt übernachten und was man sonst noch so alles anstellen kann 🙂

Was war bisher deine coolste Beobachtung?

Wenn ich jedes Jahr aufs Neue, die Rehe bei ihrer Brunft beobachten darf. Da findet so viel Interaktion zwischen den Tieren statt, da ist es keine einzige Sekunde langweilig.

Wir führen dieses Interview im Spätherbst. Was kann man jetzt draußen entdecken?

Sobald es gegen den Winter zu geht, wird es auch in der Natur ruhiger. Beobachtet werden können aktuell Singvögel, die sich ihre Winterquartiere durch fleissiges Singen sichern. Im Garten sind das zum Beispiel das Rotkehlchen, aber auch der Haussperling.  Es lohnt sich aber auch, nach schönen Naturmaterialien zum Bastel Ausschau zu halten. Besonders im Herbst stürmt es immer mal wieder und dann fallen frische Zapfen von den Bäumen. Die sind dann besonders schön, wenn sie zum Basteln benutzt werden.

Der Blog von Madeleine Gersbach

Mehr lesen kannst du im Blog von Madeleine unter: Blog & News | Wald von Ameise bis Zaunkönig (rangerin.ch)

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