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Kastanien in Hand zum Rechnen
Interview

Spielen und Lernen gehören zusammen: Interview mit Susanne Seyfried

Spielen und Lernen gehören für Susanne Seyfried untrennbar zusammen. Letztes Jahr traf ich Susanne in einem Online-Kurs für Blogger und schnell war klar: Wir müssen mal was zusammen machen. Susanne ist Lerntherapeutin und das Spielen beim Lernen zählt für sie unbedingt dazu. Sie berät Eltern beim Thema Lesen, Schreiben und Rechnen lernen.

Starten wir mit einem Interview und lese hier meine 12 Fragen an Susanne:

1. Susanne, auf Deiner Webseite spielst Du mit einem Kind Karten. Was hat das mit Deinem Business zu tun?

Spielen ist ein wichtiger Bestandteil jeder lerntherapeutischen Förderung. Ich liebe es, mit meinen Schülern zu spielen und sie zu motivieren. Daher war es mir wichtig, genau dies auch auf meiner Startseite auszudrücken.

Hier spiele ich übrigens Doppel-Moppel, eines meiner Lieblings-Spiele in der Lesetherapie.

2. Ein Thema ist bei Dir, die Motivation fürs Lesen zu fördern. Wie viele Bücher hast Du schon gelesen?

Ich glaube, die kann ich gar nicht mehr alle zählen. Ich bin eine richtige Leseratte. Als Kind habe ich oft noch spät in die Nacht heimlich mit Taschenlampe unter der Bettdecke gelesen. Die Bücher waren so spannend, dass ich einfach nicht mehr  aufhören wollte.

Heute ist es ähnlich, nur fehlt mir oft die Zeit bzw. ich lege manchmal die Schwerpunkte anders und nutze meine  freie Zeit dann eher fürs Bloggen. Aber im Urlaub ist ein gutes Buch einfach Pflicht – gerne auch mehrere.

3. Was ist Dein Lieblingsbuch?

Ich liebe Anne auf Green Gables – das war mein absolutes Lieblingsbuch aus der Kindheit und ich habe es auch als Erwachsene immer wieder gelesen. Es sind ja mehrere Bände und mein großer Wunsch ist es einmal nach Prince Edward Island (Kanada) zu fahren und mir “Green Gables” vor Ort anzuschauen.

4. Was ist das witzigste, was Dir während einer Therapie mal passiert ist?

Ich kann mich an einen Tag erinnern, da stand plötzlich Lena vor der Türe (Name geändert), ihre Mutter begrüßte mich freundlich und wünschte ihrer Tochter eine tolle Förderung bei mir. Ich stand mit frisch gewaschenen Haaren da und dachte, oje, ich habe heute tatsächlich den Termin total vergessen. Als Lena in meinem Raum angekommen war, sah ich auf mein Handy und stellte fest, es ist Dienstag. Plötzlich grinste ich und frage Lena, an welchem Tag kommst du denn immer zu mir? Ist doch logisch sagte sie, immer mittwochs. 

Puh, da war mir klar, es war die Mutter, die sich total im Tag geirrt hatte. Ich schrieb der Mutter eine kurze Whatsapp und teilte ihr mit, dass wir jetzt trotzdem loslegen und ich auch mit nassen Haaren sehr gut arbeiten könne (es war übrigens Sommer).

Was für ein kleiner Schreck, der dann zum Happy End wurde. Wir können heute noch drüber lächeln.

5. Hat ein Kind Dir schon mal gesagt, dass Lesen absolut doof ist?

Den Satz höre ich beinahe täglich! Aber genau deswegen bin ich gerne Lerntherapeutin, denn ich helfe Schülern sich wieder gerne mit Buchstaben, Wörtern und Texten zu beschäftigen. Einige Schüler haben schon so viel Frust und Misserfolg erlebt und einen langen Leidensweg hinter sich. Wenn man aber erst mal Vertrauen aufgebaut hat und eine Beziehung zueinander gefunden hat, kann man beim Lesen erste kleine Erfolge verzeichnen. Wir üben auch sehr viel draußen in Bewegung, das bringt eine ganz andere Motivation als oft in der Schule.

6. Wie hat sich Dein beruflicher Alltag durch das große „C“ verändert?

In eine Richtung, die ich niemals erwartet hätte. 

Ich war anfangs erst sehr skeptisch, wie es laufen würde, wenn ich alle meine Schüler online betreue. Mit einer Online-Lerntherapie hatte ich schon viel Erfahrung. Allerdings war es ungewohnt, alle meine Schüler über Monate nur noch online zu betreuen. Nach und nach entwickelte ich weitere Techniken, um die Schüler optimal zu unterstützen und auch die anfängliche Skepsis mancher Eltern verschwand Schritt für Schritt. 

Womit ich allerdings nicht gerechnet habe, ist der enorm gestiegene Bedarf an Unterstützung. Ich hatte zeitweise 4-5 Anrufe pro Tag und musste meine Telefonnummer von der Website nehmen. 

Der Bedarf ist weiterhin ungebrochen und es hat mich einige Monate beschäftigt, wie ich es schaffen kann weniger Schüler im Regen stehenzulassen, denn meine Warteliste wird immer länger. Daher arbeite ich momentan sehr intensiv an einem Online-Kurs für Eltern, die mit ihrem Kind daheim lesen üben möchten, um die Leseflüssigkeit zu verbessern.

Durch Corona habe ich auch viel mehr Schüler außerhalb von Deutschland, z.B. sogar aus Mexiko. Der Bedarf an Fortbildungen hat ebenfalls zugenommen. Im Frühjahr hatte ich ein Lehrerkollegium einer deutsch-britischen Auslandsschule in Peking zum Thema Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten und individuelle Förderung geschult. 

Ich hätte nie damit gerechnet, dass meine Arbeit so international wird.

7. Sag mal, was ist überhaupt eine Lerntherapie?

Eine Lerntherapie ist eine individuelle Förderung von Schülern mit Lese-Rechtschreib- und Rechenschwierigkeiten bzw. mit einer Dyskalkulie oder Legasthenie. 

Im Vergleich zur Nachhilfe wird in der Lerntherapie an den Grundlagen gearbeitet und nicht am Schulstoff, der aktuell von Bedeutung ist. Es wird die Stufe gesucht, in der das Kind aufgehört hat, Wissen aufzubauen und dann Schritt für Schritt das Fundament gelegt. 

Dabei ist eine emotionale Stärkung der Schüler genauso wichtig wie das spielerische Lernen und das Lernen in Bewegung.

8. Hast Du schon mal eine Therapie-Session nach draußen verlagert?

Gerade in den jetzigen Corona-Zeiten ist das natürlich ein großes Thema und ich habe fast nur draußen mit den Schülern gelernt. Oft auf der Terrasse, im Garten und auch viel in Bewegung. Mit Hausnummern kann das 1×1 gelernt werden, das Zählen lässt sich auch draußen vertiefen und an der Kletterstange können sich Kinder auch in Silben fortbewegen. Mit Naturmaterialien wie Stöcke, Kastanien oder auch Steinen lässt sich das Rechnen anschaulich üben. Eine Lerntherapie-Stunde nach draußen zu verlegen, bietet viele Möglichkeiten Alltägliches in die Lernumgebung mit einzubeziehen.

9. Und was muss ich unbedingt über Dich wissen?

Ganz passend finde ich die Worte meiner schwedischen Gasttochter, die ich nach über 20 Jahren endlich wieder gesehen habe: Susanne,  du bist genauso wie ich dich in Erinnerung habe, immer gut gelaunt, voller Energie und noch genauso mutig Neues auszuprobieren wie damals als kleines Mädchen. 

Einen ganz ungewöhnlichen Einblick habe ich in meinem Blogpost mit 50 Fun Facts gesammelt. Dort habe ich kurioses, spannendes und außergewöhnliches zusammengetragen und muss selbst immer wieder darüber schmunzeln.

10. Welche Frage bekommst Du von den meisten Eltern eigentlich gestellt?

Viele Eltern fragen sich: Was habe ich falsch gemacht? Hätte ich nicht früher feststellen können, dass mein Kind Lernschwierigkeiten hat? 

Ich empfehle immer erstmal tief durchzuatmen. Nicht jedes Kind läuft im Gleichschritt und das ist gut so und nicht jedes Kind mit Leseschwierigkeiten hat gleich eine LRS oder Legasthenie. 

Durch den Lockdown gibt es Kinder, die nun einfach mehr Förderung benötigen und manchmal auch nur etwas mehr Zeit. Diese Zeit sollten wir ihnen geben und die Schüler vor allem emotional stärken.

11. Welche Fortbildung würdest Du gern als Nächstes für Dich machen?

Ich liebe es mich weiterzubilden, bin immer auf der Suche nach Ideen und Anregungen. Ich stecke gerade in einer spannenden Fortbildung zum Thema Online-Kurse launchen und sichtbarer werden. Das nimmt gerade viel Zeit in Anspruch, aber ich bin in einem wahnsinnig tollen Team, was sich super unterstützt.

12. Eine letzte Frage: Was ist Deine Motivation zu bloggen?

Ich habe vor ca. 2 Jahren angefangen zu bloggen. Mir ist es wichtig, Eltern genau die Infos an die Hand zu geben, die ich mir damals gewünscht hätte. Denn vor einigen Jahren kam meine Tochter in Mathe in der Schule überhaupt nicht mehr mit. Ich habe das halbe Internet durchforstet, um Infos zu bekommen, wie ich ihr jetzt am besten helfen könne. 

2019 war sozusagen der Start für meinen Blog, der anfangs rein für Eltern gedacht war. Inzwischen informieren sich immer mehr Lehrer, Lerntherapeuten und andere pädagogische Fachkräfte zum Thema LRS und Rechenschwäche, was mich anspornt, noch mehr zu bloggen. Auch habe ich vor einiger Zeit begonnen mehr persönliche Themen aufzunehmen und bin erstaunt, wie positiv das ankommt.


Vielen Dank liebe Susanne für das Interview!


Über Susanne Seyfried, Lerntherapeutin und Expertin für Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten und Rechenschwäche:

Susanne Seyfried Lerntherapie

Ich bin Susanne  Expertin für Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten (LRS), Rechenschwäche und Lernschwierigkeiten. Mit meiner Familie wohne ich in Villingen-Schwenningen, habe aber auch schon in London, Tunesien und der Schweiz haltgemacht.

Mir liegt es am Herzen zu den Themen Legasthenie und Dyskalkulie zu berichten, aufzuklären und zu sensibilisieren. Lerntherapeuten können unsere Schullandschaft bereichern und eine individuelle Förderung für Schüler mit Lese-Rechtschreib- und Rechenschwierigkeiten im Unterricht ermöglichen.

Endlich entspannt zusammen lernen – das ist mir wichtig. 

Magst du mehr über mich, über meine Arbeit als Lerntherapeutin und zu meinen Themen erfahren? Dann besuche mich gern auf: https://www.lerntherapie-vs.de/

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